dsungarischer zwerghamster
News
Unsere Philosophie
Der Dsungare
Was sind Hybriden?
Wildfang-Nachzuchten
Das perfekte Heim
Unsere Hamster
Unsere Würfe
Abgabetiere
Abgabebedingungen
Im neuen Zuhause
Zwergenleben
Links
Kontakt
 

 

Aus zwei mach eins - oder: Wie der Mensch eine neue Tierart erschuf
Hybriden sind Kreuzungen aus dsungarischen und Campbell-Zwerghamstern

Wer einen dsungarischen Zwerghamster kauft, wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht das bekommen, was er erwartet. Die meisten Dsungaren sind mittlerweile keine artreinen Tiere mehr, sondern Kreuzungen mit Campbell-Zwerghamstern, sogenannte Hybriden. Warum europaweit kaum noch artreine Tiere zu finden sind und wir uns für den Erhalt der Spezies Dsungare einsetzen, lesen Sie hier.

Viele Jahre herrschte sogar unter Forschern Verwirrung. Manche hielten den Phodopus Sungorus (dsungarischer Zwerghamster) für den Phodopus Campbelli (Campbell-Zwerghamster) und umgekehrt. 1967 wurde schließlich festgestellt, dass die beiden Unterarten der Kurzschwanz-Zwerghamster keineswegs ein und dieselbe Tierart sind. In der DNA gibt es entscheidende Unterschiede zwischen den beiden Gattungen. Und auch das Verhalten und die Lebensräume unterscheiden sich. Während der dsungarische Zwerghamster im Nordosten Kasachstans und im Süden Westsibiriens lebt, kommt der Campbell-Zwerghamster in der Mongolei, in angrenzenden Gebieten Chinas und in Daurien vor. Während sich die Dsungaren ihrer Umgebung anpassen und sich im Winter weiß färben, kann ein solches Phänomen bei den Campbells nicht beobachtet werden. Optisch mögen Dsungaren und Campbells auf den ersten Blick gleich aussehen. Wer genau hinschaut, wird aber feststellen, dass es deutliche Unterschiede gibt.

Campbell: große Ohren, stehen deutlich ab. Augen sind näher beisammen. Spitzere Kopfform Dsungare: Kleinere runde Ohren. Augen sind weiter auseinander. Runde, breitere Kopfform
Campbell: spitzes Profil, kleine ovale Augen Dsungare: Ramsnase, große runde Augen

Die Erschaffung des Hybriden
Im Gegensatz zu den Dsungaren konnten bei den Campbells eine Vielzahl von Farbmutationen festgestellt werden. Das, und sicher auch die Unwissenheit vieler Züchter, führte zur Vermischung der beiden Zwerghamsterarten. Die einen erkannten nicht, dass sie zwei unterschiedliche Arten miteinander verpaarten, die anderen taten dies, um beim dsungarischen Zwerghamster eine größere Farbvielfalt zu erzielen. Ganz so einfach stellte sich die Kreuzung der beiden Arten aber nicht heraus: Haarlose Zwerghamster mit zu großen Augen und Ohren, krummen Wirbelsäulen und diversen krankhaften Veränderungen wie Nierenprobleme waren das Resultat. Bei der direkten Verpaarung zwischen Campbell und Dsungare kamen oft unfruchtbare Tiere heraus. Dennoch gelang es Züchtern, mit den Hybriden – so werden Kreuzungen aus Dsungaren und Campbells genannt – weiterzuzüchten, in dem sie sie mit artreinen Dsungaren immer wieder verpaarten, bis optisch fast nur die Campbellfarbe übrig blieb, das Tier selbst aber aussah, wie ein Dsungare.
Hybridbasierende Farben sind u.a.: schwarz, russisch-blau, gelb-wildfarben, Chocolate, Dove, Gelb Blue-Fawn, Lilac, Champagne, braun, beige, gefleckt. Ständig kommen neue Varianten, auch in den Scheckungen Pearl und Merle, hinzu.

Farbvielfalt zu Lasten der Tiere
Nun mag diese Farbvielfalt auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem begeistern. Dennoch tauchen immer wieder gesundheitliche Probleme bei den Hybriden auf, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. So leiden viele Tiere unter Diabetes – eigentlich eine Campbell-typische Krankheit, die bei Dsungaren sonst nicht auftaucht (ausgenommen der sogenannten Wohlstandsdiabetes, die bei zu zuckerlastiger Ernährung auftreten kann).
Selbst wenn die Tiere in ihren Linien hundertfach mit artreinen Dsungaren gekreuzt wurden und sie augenscheinlich gesund sind – ein Restrisiko für eine Krankheit besteht immer. Es darf niemals vergessen werden, dass es sich um eine vom Menschen erschaffene Mischung aus zwei unterschiedlichen Spezien handelt, die sich in der freien Wildbahn niemals begegnen und fortpflanzen würden. Ein Restanteil Campbellgene wird immer da sein, auch wenn das Tier rein äußerlich nicht danach aussieht.
Mittlerweise ist davon auszugehen, dass 99% aller heutigen im Zoohandel und bei Züchtern erhältlichen Dsungaren in ganz Europa und vielleicht sogar weltweit nicht mehr artrein sind. Sie alle haben irgendwo in ihrem Stammbaum einen Campbell versteckt.

Erhaltung der reinen Art
Auch wenn Hybriden nicht zuletzt aufgrund ihrer großen Farbenvielfalt die Massen begeistern und den Wunsch nach etwas Außergewöhnlichem erfüllen – die Spezies Dsungare scheint dabei in den Hintergrund gerückt zu sein. Deswegen haben wir uns entschieden, nur mit der natürlichen Wildfarbe des Dsungaren (Agouti) sowie den Mutationen Saphir, Pearl und Merle zu züchten. Nicht zuletzt durch unsere Wildfang-Nachkommen hoffen wir, zumindest einen kleinen Beitrag zum Erhalt des Dsungaren, wie die Natur ihn schuf, leisten zu können.

Unseriöse Züchter
Leider kommt es immer wieder vor, dass Züchter behaupten, "reinrassige" oder "artreine" Tiere zu besitzen. Faktisch gibt es in ganz Europa aber nur sehr wenige Züchter, die tatsächlich Wert darauf legen, dass ihre Tiere einen Stammbaum haben, in dem kein Campbell vorkommt. Unseriöse Züchter verpaaren Zooladentiere, Tiere aus Notfällen oder kaufen ihre "Zuchthamster" bei "Züchtern" die selbst nicht einmal die Farbe der Tiere benennen können. Ein gutes Zeichen für "unseriöse" Züchter ist, wenn sie z.B. rotäugige Tiere unter ihren Zuchthamstern haben, bewusst Hybridenfarben (siehe oben) vermehren oder aber mit dem Mandarin-Farbgen züchten. Wissentlich Tiere zu verpaaren, die potenziell krankheitsanfällig sind, ist unverantwortlich und sollte den Tieren zu Liebe nicht unterstützt werden.

Die Zucht mit Mandarin: verantwortungslos
Ein solcher Faux-Pas kann nur aus Unwissenheit passieren, da selbst der größte Europäische Züchter, der die Farbe Mandarin seinerzeit vorangebracht hat, davon abrät, Mandarin weiter zu fördern. Über kurz oder lang tauchen in den Mandarin-Linien kranke Tiere auf, die unter Diabetes leiden oder extrem fettleibig sind. Selbst wenn die Elterntiere kerngesund erscheinen, können die Nachkommen erkranken - somit risikiert ein Züchter, der bewusst die Farbe Mandarin verbreitet, die Gesundheit seiner Tiere.
"Ausreden" für die Zucht von Hybriden oder Tieren mit der Farbe Mandarin gibt es immer, die über viele Jahre überbrachten Erfahrungen vieler Züchter zeigen aber, dass diese beiden Kombinationen den Tieren nur schaden können.

Wer einmal einen diabeteskranken Hamster gepflegt hat, weiß, wie groß das Leiden werden kann.

Artreine Tiere nur im Ausland
Dass die Menschen unbelehrbar sind, zeigt auch die Tatsache, dass Hosannah's Dsungaren auf ihrer Suche nach artreinen Tieren nur eine einzige deutsche Zucht fand, die das gleiche Zuchtziel verfolgt: McMuffins Dsungaren. Alle anderen unserer Zuchttiere stammen aus verantwortungsvollen Zuchten aus Holland, Dänemark, Schweden und England, denn tatsächlich gibt es mittlerweile keinen anderen deutschen Züchter mehr, der das gleiche Ziel verfolgt wie wir.

Hybriden gibt es genug - wenn eine Zucht ein Ziel haben kann, dann nur den Erhalt des Dsungaren, wie er in der Natur vorkommt.

Zu diesem Thema ist auch ein von mir geschriebener Artikel in dem Kleinsäuger-Fachmagazin Rodentia erschienen. Um den ganzen Artikel lesen zu können, klicken Sie bitte auf das Bild.

Text und Bilder © Hosannah’s Dsungaren